Gecekondus
Geschrieben von admin am 30. September 2008
In den Außenbezirken der größeren türkischen Städte findet man neben lieblos errichteten Trabantenstädten mit Beton-Hochhäusern, auch die sogenannten Gecekondus, in denen die ärmere Bevölkerung lebt. Gecekondu bedeutet “In einer Nacht errichtet” und bezeichnet die Stadtviertel, die aus unzähligen winzigen dicht an dicht gebauten Häuschen bestehen. Sie wurden gemeinschaftlich von den zukünftigen Bewohnern und den Nachbarn in kürzester Zeit errichtet. Die Wände sind oft etwas schief gemauert, die Zimmer sind klein und in der Regel existiert nur ein Stockwerk. Oft lebt hier nur eine Familie auf wenigen Quadratmetern zusammengedrängt. Durch die kleinen Fenster dringt nur wenig Licht in die weißgetünchten Räume. Die Außenwände sind allerdings mal hellblau, hellgelb, hellgrün und ab und zu hellrot gestrichen. Von den Dächern dieser bunten Häuser strecken sich zahlreiche Fernsehantennen in den Himmel, dazwischen erhebt sich das Minarett der Moschee.
Die Straßen und Wege der Gecekondus sind nicht asphaltiert, deshalb sind diese im Sommer trocken und verwandeln sich im Winter durch Regen und Schneefälle in schlammige Zufahrten, mit wassergefüllten Schlaglöchern. Feuchtigkeit und Nässe dringen leicht in die Hütten ein. Das Wohnklima ist dadurch ungesund und fördert Rheuma. Auch die Kanalisation und die Müllabfuhr funktionieren hier nicht reibungslos.
Trotz dieser desolaten Zustände kann man sie nicht mit den noch viel schlimmeren Lebensbedingungen eines Slums vergleichen. Im Gegensatz zu den Hochhaussiedlungen gibt es in einem Gecekondu auch eine gewachsene Sozialstruktur, sowie ein Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb und zwischen den Familien. Dies hält die Gewaltbereitschaft in Grenzen und manch einem ist es auch gelungen aus der Armut zu entfliehen und sogar Karriere zu machen.
Die Türkei ist ein armes Land und es wird deshalb wohl auch noch lange dauern , bis die Regierung Probleme wie die Situation in den Gecekondus lösen wird, vor allem in Metropolen wie Istanbul, mit ihren mittlerweile etwa sechs Millionen Einwohnern.
